Der Mangel an Wohnraum erreicht in Deutschland neue Dimensionen. Ende 2024 fehlten bundesweit 1,4 Millionen Wohnungen. Besonders betroffen sind Menschen in Ausbildung sowie ältere Personen mit niedrigen Renten. Für viele von ihnen wird das Wohnen in Städten zunehmend unbezahlbar. Die aktuellen Zahlen stammen aus der Studie Sozialer Wohn-Monitor 2026 des Pestel-Instituts, erstellt im Auftrag des Verbändebebündnisses Soziales Wohnen, dem unter anderem der Deutsche Mieterbund, die Caritas und die Gewerkschaft IG Bau angehören. Die Entwicklung reiht sich ein in einen Wohnungsmarkt unter dauerhaftem Druck.
Inhaltsverzeichnis
- Pestel-Institut und Sozialer Wohn-Monitor 2026
- Bundesländer und Wohnungsdefizite 2024
- Sozialwohnungen und Verbändebündnis Soziales Wohnen
- Matthias Günther und die Folgen für junge und alte Menschen
- Klara Geywitz und leerstehende Wohnungen
Pestel-Institut und Sozialer Wohn-Monitor 2026
Der Wohnungsmangel konzentriert sich stark auf die westdeutschen Flächenländer und die Stadtstaaten. Nordrhein-Westfalen verzeichnet mit 376.000 fehlenden Wohnungen das größte Defizit, gefolgt von Bayern mit 233.000 und Baden-Württemberg mit 196.000 Wohneinheiten. Auch Berlin, Hamburg und Bremen melden erhebliche Engpässe. Nach Angaben des Pestel-Instituts fehlt es dabei nahezu ausschließlich an Sozialwohnungen und bezahlbaren Mietwohnungen, während Mieten weiter anziehen.
Um das Defizit bis 2030 abzubauen, wären jährlich über 400.000 Neubauten erforderlich, sagte Studienleiter Matthias Günther. Die Realität sieht anders aus. Auf Basis der aktuellen Baugenehmigungen rechnet das Bündnis Soziales Wohnen lediglich mit rund 200.000 neuen Wohnungen pro Jahr. Damit wächst die Lücke weiter.
Bundesländer und Wohnungsdefizite 2024
Die regionalen Unterschiede sind deutlich. Die folgende Tabelle zeigt die fehlenden Wohnungen Ende 2024 sowie den jährlichen Neubedarf bis 2030 nach Bundesländern. Die Daten stammen aus dem Sozialen Wohn-Monitor 2026.
| Bundesland | Fehlende Wohnungen 2024 | Jährlicher Bedarf bis 2030 |
|---|---|---|
| Nordrhein-Westfalen | 376.000 | 94.000 |
| Bayern | 233.000 | 78.300 |
| Baden-Württemberg | 196.000 | 60.300 |
| Rheinland-Pfalz | 133.000 | 33.300 |
| Niedersachsen | 117.000 | 38.700 |
| Hessen | 86.000 | 27.200 |
| Berlin | 56.000 | 16.300 |
| Schleswig-Holstein | 46.000 | 14.000 |
| Hamburg | 26.000 | 9.300 |
| Sachsen | 26.000 | 8.800 |
| Brandenburg | 24.000 | 9.800 |
| Thüringen | 20.000 | 2.000 |
| Sachsen-Anhalt | 17.000 | 1.700 |
| Saarland | 16.000 | 3.500 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 16.000 | 5.300 |
| Bremen | 13.000 | 3.000 |
Sozialwohnungen und Verbändebündnis Soziales Wohnen
Das Verbändebündnis fordert einen klaren Schwerpunkt auf den sozialen Wohnungsbau. Die Zahl der Sozialwohnungen soll von derzeit gut einer Million auf mindestens zwei Millionen steigen. Katharina Metzger, Präsidentin des Bundesverbands Deutscher Baustoff-Fachhandel, erklärte wörtlich: „Um die gröbste Not zu lindern, muss sich die Zahl der Sozialwohnungen möglichst rasch verdoppeln – von derzeit gut einer Million auf mindestens zwei Millionen Sozialwohnungen“.
Die Studie zeigt zudem, dass von den rund 23 Millionen Mieterhaushalten inzwischen etwa 50 Prozent Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein haben. Diese Entwicklung unterstreicht den wachsenden Druck auf den unteren und mittleren Einkommensbereich. Bezahlbarer Wohnraum wird zunehmend zur Mangelware, mehr hier.
Matthias Günther und die Folgen für junge und alte Menschen
Besonders stark trifft die Wohnungsnot junge Menschen und Senioren. Ausbildungsverträge scheitern, weil Jugendliche keine Wohnung finden. Studierende geben laut Pestel-Institut im Durchschnitt 53 Prozent ihres monatlich verfügbaren Einkommens für Miete aus. Gleichzeitig warnt Matthias Günther vor „erzwungenen Umzügen durch Altersarmut“. Diese Entwicklung bezeichnete er als „Stadtvertreibung Älterer“.
Auch Melanie Weber-Moritz, Präsidentin des Deutschen Mieterbundes, sieht dringenden Handlungsbedarf. Sie sagte wörtlich: „Wir brauchen dringend mehr bezahlbare und altersgerechte Wohnungen, insbesondere Sozialwohnungen mit dauerhaft niedrigen Mieten“. Hannes Zapf von der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau betonte, dass jede Lebensphase einen veränderten Wohnbedarf mit sich bringt und der dysfunktionale Wohnungsmarkt diese Anpassungen massiv erschwert.
Klara Geywitz und leerstehende Wohnungen
Ein flächendeckender Wohnungsüberhang existiert laut Pestel-Institut nicht. Lediglich in Thüringen, Sachsen, Niedersachsen und Hessen gibt es regional begrenzte Überangebote von 1.000 bis 2.000 Wohnungen. Die frühere Bundesbauministerin Klara Geywitz verwies jedoch auf rund zwei Millionen leerstehende Wohnungen bundesweit, überwiegend in ländlichen Regionen und Randlagen.
Im Januar 2025 stellte sie eine Initiative vor, um diesen Leerstand besser zu nutzen. Ziel war es, betroffenen Regionen neue Perspektiven zu eröffnen und gleichzeitig den Druck auf die Wohnungsmärkte in den Ballungsräumen zu verringern. Der Wohnraummangel bleibt damit eines der zentralen sozialen und wirtschaftlichen Probleme in Deutschland.
Quelle: TAGESSPIEGEL
FAQ
Wie viele Wohnungen fehlen derzeit in Deutschland?
Ende 2024 fehlten in Deutschland insgesamt 1,4 Millionen Wohnungen, wie der Soziale Wohn-Monitor 2026 des Pestel-Instituts zeigt.
Welche Bundesländer sind besonders vom Wohnungsmangel betroffen?
Besonders hohe Defizite gibt es in Nordrhein-Westfalen mit 376.000 fehlenden Wohnungen, gefolgt von Bayern mit 233.000 und Baden-Württemberg mit 196.000 Wohneinheiten.
Wie viele neue Wohnungen wären jährlich notwendig?
Laut dem Pestel-Institut müssten über 400.000 Wohnungen pro Jahr neu gebaut werden, um das Wohnungsdefizit bis 2030 abzubauen.
Welche Rolle spielen Sozialwohnungen beim Wohnungsmarkt?
Der Mangel betrifft fast ausschließlich Sozialwohnungen und bezahlbare Mietwohnungen. Das Verbändebündnis Soziales Wohnen fordert eine Verdopplung des Bestands auf mindestens zwei Millionen Sozialwohnungen.
Wer ist besonders von der Wohnungsnot betroffen?
Vor allem junge Menschen in Ausbildung, Studierende und ältere Menschen mit niedrigen Renten sind betroffen. Studierende geben im Schnitt 53 Prozent ihres Einkommens für Miete aus.
Gibt es in Deutschland Regionen mit zu vielen Wohnungen?
Ein Überangebot besteht nur regional. In Thüringen, Sachsen, Niedersachsen und Hessen gibt es in einzelnen Regionen zwischen 1.000 und 2.000 Wohnungen zu viel.
Wie viele Wohnungen stehen bundesweit leer?
Nach Angaben der früheren Bundesbauministerin Klara Geywitz stehen rund zwei Millionen Wohnungen leer, überwiegend in ländlichen Regionen oder Randlagen von Städten.