Die Bautätigkeit in Niedersachsen sinkt weiter. Statistiken und Angaben des Verbands der Wohnungswirtschaft zeigen, dass sowohl Genehmigungen als auch Fertigstellungen deutlich zurückgehen. Gleichzeitig reagiert die Landesregierung mit finanziellen Maßnahmen und rechtlichen Anpassungen.
Inhaltsverzeichnis:
- Weniger neue Wohnungen bei vdw-Mitgliedern
- Zahlen des Landesamts für Statistik Niedersachsen
- Aussagen von Susanne Schmitt und dem Verband
- Maßnahmen der Landesregierung unter Olaf Lies
Weniger neue Wohnungen bei vdw-Mitgliedern
Die Mitgliedsunternehmen des Verbands der Wohnungswirtschaft (vdw) in Niedersachsen und Bremen planen 2025 nur rund 1.000 neue Wohnungen. 2022 waren es mehr als 2.000, 2023 noch 1.200. Als Hauptgründe gelten hohe Baukosten, steigende Zinsen und Unsicherheiten am Markt. Der vdw vertritt 179 Unternehmen mit rund 400.000 Wohnungen, in denen fast eine Million Menschen leben. Damit stammt jede fünfte Mietwohnung in Niedersachsen aus dem Bestand der Mitgliedsunternehmen. Sie gelten als wichtigster Anbieter von Mietwohnungen in Niedersachsen und Bremen.
Zahlen des Landesamts für Statistik Niedersachsen
Im ersten Halbjahr 2025 wurden lediglich 3.000 Wohngebäude mit 7.700 Wohnungen genehmigt. Zum Vergleich: 2024 waren es 300 Gebäude und 650 Wohnungen mehr. Im Jahr 2022 wurden noch Genehmigungen für 7.591 Gebäude mit 17.222 Wohnungen erteilt. Auch bei den Fertigstellungen zeigt sich der Rückgang: 2024 wurden 19.352 Wohnungen in Neubauten fertiggestellt, fast 25 Prozent weniger als im Vorjahr.
Übersicht der Entwicklung
| Jahr | Genehmigte Wohngebäude | Genehmigte Wohnungen | Fertiggestellte Wohnungen |
|---|---|---|---|
| 2022 | 7.591 | 17.222 | – |
| 2024 | ca. 3.300 | ca. 8.350 | 19.352 |
| 2025 (1. Halbjahr) | 3.000 | 7.700 | – |
Aussagen von Susanne Schmitt und dem Verband
Verbandsdirektorin Susanne Schmitt spricht von einem beispiellosen Absturz im Wohnungsbau in Niedersachsen. 2021 investierten die Mitglieder fast 700 Millionen Euro in Neubauten. 2025 sollen es nur noch 365 Millionen Euro sein. Nach Einschätzung von Schmitt wird es lange dauern, bis diese Talsohle überwunden ist. Der Verbandstag des vdw in Osnabrück verdeutlichte, dass die aktuellen Daten die bisherigen Befürchtungen bestätigen.
Maßnahmen der Landesregierung unter Olaf Lies
Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) will die Rahmenbedingungen verbessern. Er fordert Änderungen im Zivilrecht und im Baugesetzbuch, damit mehr Bauland entsteht und innovative Bauformen wie der Gebäudetyp E möglich werden. Beim Gebäudetyp E handelt es sich um vereinfachtes, experimentelles Bauen mit reduzierten Standards.
Die Landesregierung kündigte an, 400 Millionen Euro für den sozialen Wohnungsbau bereitzustellen. Davon gehen 200 Millionen Euro an die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft „WohnRaum Niedersachsen GmbH“, die 2023 mit 100 Millionen Euro gestartet war. Weitere 200 Millionen Euro fließen in den Wohnraumförderfonds. Dieser wird zunehmend auch von privaten Bauherren genutzt.
Kernpunkte der Förderung
- Stärkung der „WohnRaum Niedersachsen GmbH“ mit zusätzlichen 200 Millionen Euro.
- Aufstockung des Wohnraumförderfonds um 200 Millionen Euro.
- Vereinfachungen in der niedersächsischen Bauordnung, besonders bei Umbauten.
- Förderung von innovativen Bauformen wie Gebäudetyp E.
Mit diesen Maßnahmen soll die Bauwirtschaft wiederbelebt und die Wohnungsnot abgemildert werden.
Quelle: NDR