Nach Jahren des Rückgangs steigen die Zahlen im deutschen Wohnungsbau erstmals wieder leicht an. Im ersten Halbjahr 2025 wurden 110.000 Wohnungen genehmigt, ein Plus von 2,9 Prozent oder 3100 Einheiten im Vergleich zum Vorjahr. Doch Experten sehen darin noch keine echte Trendwende.
Inhaltsverzeichnis:
- Einfamilienhäuser mit starkem Zuwachs
- Einschätzungen von Aygül Özkan und Tim-Oliver Müller
- Prognosen bis 2027
- Maßnahmen der Bundesregierung
- Experiment in Schleswig-Holstein
Einfamilienhäuser mit starkem Zuwachs
Von Januar bis Juni 2025 wurden 21.300 Einfamilienhäuser genehmigt, ein Anstieg von 14,1 Prozent. Dieses Segment sorgt damit für den größten Teil des Wachstums.
Bei den Zweifamilienhäusern sank die Zahl der Genehmigungen um 8,3 Prozent auf 6000. In der wichtigsten Kategorie, den Mehrfamilienhäusern, gab es fast keine Veränderung. Hier lag die Zahl bei 57.300 Wohnungen, nur 31 mehr als im Vorjahr.
Im Juni allein wurden Zusagen für rund 19.000 Wohnungen erteilt. Das bedeutet ein Plus von 7,9 Prozent im Vergleich zum Juni 2024.
Einschätzungen von Aygül Özkan und Tim-Oliver Müller
Aygül Özkan vom Spitzenverband der Immobilienwirtschaft ZIA sieht keine Wende. Sie betont, dass bei den dringend benötigten Mehrfamilienhäusern keine Bewegung erkennbar ist.
Auch Tim-Oliver Müller vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie verweist auf anhaltende Probleme. Er nennt vor allem das zu teure und zu knappe Bauland in Ballungsräumen. Die hohen Zinsen und Baukosten hemmen weiterhin den Neubau.
Axel Gedaschko vom Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) warnt, dass der Mangel an Mehrfamilienhäusern den sozialen Frieden und den wirtschaftlichen Erfolg gefährden könnte.
Prognosen bis 2027
Experten erwarten trotz der Genehmigungen einen weiteren Rückgang bei den Fertigstellungen. Laut der Forschungsgruppe Euroconstruct wird die Zahl der neuen Wohnungen 2025 auf 205.000 sinken, rund 19 Prozent weniger als 2024.
Für 2026 wird ein Rückgang auf 185.000 Einheiten prognostiziert, also weitere 10 Prozent weniger. Erst ab 2027 sollen die Fertigstellungen wieder steigen – auf etwa 195.000 Wohnungen. Das Ziel früherer Bundesregierungen von 400.000 Einheiten pro Jahr bleibt damit in weiter Ferne.
| Jahr | Erwartete Fertigstellungen | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|
| 2024 | 253.000 | - |
| 2025 | 205.000 | -19 % |
| 2026 | 185.000 | -10 % |
| 2027 | 195.000 | +5 % |
Maßnahmen der Bundesregierung
Die Bundesregierung setzt auf einen Bau-Turbo. Kommunen sollen künftig Genehmigungsverfahren beschleunigen dürfen, indem sie von Bebauungsplänen abweichen. Der Bundestag will das Gesetz im Herbst beschließen.
Darüber hinaus plant Bauministerin Verena Hubertz eine Reform des Baugesetzbuches, um Vorschriften zu vereinfachen. Die Mittel für den sozialen Wohnungsbau sollen von 3,5 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf 5,5 Milliarden Euro im Jahr 2029 steigen.
Experiment in Schleswig-Holstein
Schleswig-Holstein testet einen neuen Weg. Dort fließt die Förderung nur noch in Bauprojekte mit dem Gebäudetyp E. Bei diesem Standard sind Abweichungen erlaubt, etwa dünnere Wände oder einfachere Bauweisen.
- mehr geförderte Wohnungen bei gleichem Budget
- schnellere Realisierung
- geringere Baukosten
Dieses Modell könnte auch bundesweit Anwendung finden. Es gilt als ein möglicher Ansatz, den akuten Mangel an bezahlbarem Wohnraum zu lindern.
Quelle: Tagesspiegel